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BNN vom Dienstag, 4. September 2007 Geschrieben von: Kirsten Etzold

"Die Karlsruher sind ausgezeichnet versorgt"

Medizinischer Dienst beurteilt Pflegesituation grundsätzlich als gut/
Stadt kontrolliert Heime jedes Jahr


Der Prüfbericht ist erschreckend. Bettlägerige Menschen, die im Pflegeheim oder vom ambulanten Pflegedienst so schlecht versorgt sind, dass sie abmagern, sich wund liegen, nicht genug zu tinken bekommen - diese Missstände prangern die Kontrolleure des medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen an (die BNN berichteten), dies fürchten alternde Menschen und deren Angehörige. Doch ein pauschal Urteil, wird betont, gebe es nicht: Von Pflegeheimen und -diensten mit hervorragender Betreuung reiche das Spektrum bis zu gravierenden Defiziten.Für die Fächerstadt lautet die grundsätzliche Einschätzung des medizinischen Dienstes ausdrücklich: "Die Karlsruher sind ausgezeichnet versorgt." (Siehe auch Kommentar.) Den landesweiten Überblick hat beim medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) Baden-Württemberg die Leiterin des Referats Pflege, Waltraud Hannes. "Die Zahlen auf Bundesebene sind nicht übertragbar. In Baden-Württemberg ist die Pflegesituation gut", sagt sie eindeutig. Niedergelassene Pflegedienste würden seit zehn Jahren flächendeckend im Dreijahresrhythmus geprüft; einige Dienste durchlaufen gerade den vierten Test. In der stationären Pflege allerdings finde Kontrolle nur aus Anlass erheblicher Kritik statt, teilt Hannes mit; im vergangenen Jahr habe der MDK im Südwesten so 23 von insgesamt 1200 Heimen begutachtet. "In neun Heimen waren tatsächlich Pflegebedürftige schwer mangelversorgt", berichtet die Referatsleiterin. Auch der Bereich des Regierungspräsidiums Karlsruhe war betroffen. Nähere Angaben erhält die Öffentlichkeit nicht: Derzeit verbiete das Gesetz, "Ross und Reiter" zu nennen.

Untere Heimaufsichtbehörde in Karlsruhe ist das Amt für Bürgerservice und Sicherheit. Schon seit 2005 tauchen dessen Mitarbeiter jährlich unangemeldet zur Kontrolle in jedem Heim in der Stadt auf, zusammen mit einem Vertreter des Gesundheitsamts und einer Pflegekraft, berichtet der stellvertretende Amtsleiter Günter Cranz. Gravierende Verstöße habe es seither überhaupt nicht gegeben, gelegentlich werde „wegen Kleinigkeiten“ eine Veränderung zur Auflage gemacht und später nachkontrolliert: ein leerer Seifenspender, ein nicht abgeschlossener Putzschrank, einmal eine seit drei Stunden nicht aktualisierte Liste von Medikamentengaben.

Eng ist der Kontakt zwischen der städtischen Heimaufsicht und dem Seniorenbüro Karlsruhe. Die jüngsten Berichte über Missstände in der bundesweiten Pflege hätten keine beunruhigten Anrufe von Karlsruher Einwohnern ausgelöst, berichtet Barbara Scheffner-Schwarze vom Seniorenbüro.

Information und Kontakt Das Seniorenbüro in der Markgrafenstraße 14, Telefon 1335084, bietet als Anlaufstelle vor allem Informationen vor einem Umzug ins Heim. Beschwerden über Missstände in einer Karlsruher Pflegeeinrichtung nimmt das Amt für Bürgerservice entgegen, Telefon 1333225.

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