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BNN vom Dienstag, 4. September 2007, Geschrieben von: Kirsten Etzold

Vorbildliche Routine

Abhängig zu sein von der Hilfe anderer Menschen, und sei es das freundlichste, bestgeschulte Pflegepersonal, ist bedrohlich für jeden selbstständigen Menschen. Für viele ist es auch eine problematische Perspektive, mit der sich auch nicht jeder auseinandersetzen möchte. Meldungen über Missstände in der Pflege aber rütteln nicht allein deshalb auf, weil Schutz- und Hilfebedürftige die Opfer sind, sondern auch, weil niemand sicher sein kann, nicht auch einmal zu den Betroffenen zu gehören.

Vorbildlich nimmt die Stadt Karlsruhe ihre Verantwortung gegenüber den heute pflegebedürftigen Einwohnern wahr. Über das gesetzlich verankerte, den Ansprüchen der Gegenwart nicht genügende Maß an Kontrolle und Qualitätsprüfung hinaus klemmt sie sich dahinter, dass in den Heimen die Standards eingehalten werden. Jährliche unangemeldete Kontrolle – was bundesweit, obwohl dringend überfällig, erst jetzt gefordert wird, ist in der Fächerstadt schon Routine. Vorbildlich ist auch, dass dieses Verfahren in Absprache mit den Heimen installiert wurde. Ideal wäre, wenn sich diejenigen, die an der bundesweiten Pflegegesetzgebung arbeiten, daran ein Beispiel nehmen könnten. Das Ergebnis wären vielleicht „Karlsruher Verhältnisse“ in deutschen Pflegeheimen – gute Verhältnisse also.

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Licht und Schatten gibt es selbstverständlich auch in den Pflegeheimen der Fächerstadt, wie überall. Aber es gibt das Bemühen um Transparenz. Es gibt einen „kurzen Draht“ zwischen den fachlich Beteiligten und den Menschen, zum Beispiel Verwandten und Freunden pflegebedürftiger Menschen, die womöglich von einem Pflegemissstand betroffen sind. Das ist die beste Garantie für Zustände, wie man sie für sich selbst wünscht.

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